Im Dezember 2014 wurde in Berlin eine Unterstützungsgruppe mit zwei Genoss*innen der politischen Organisation der betroffenen Person (iL) und zwei ihrer Mitbewohner*innen gegründet. Ziel dieser Gruppe war es, Strategien zu diskutieren und gemeinsam Verantwortung für unser Verhalten und Agieren zu übernehmen, wie z.B. die Veröffentlichung des Briefes und alle E-Mails, die wir verschickt haben, auch an den Täter. Auf diese Weise haben wir versucht, die Verantwortung von den Schultern der betroffenen Person auf einen kollektiven Prozess zu übertragen.
Bei unserem ersten Treffen erörterten wir Fragen der Vertraulichkeit, der Sprache, die wir verwenden wollten, die Ziele und die Art und Weise unserer Zusammenarbeit. Wir hatten also nicht nur die Gruppe gegründet, sondern bereits eine Agenda entworfen. Danach trafen sich die Gruppenmitglieder ohne die betroffene Person, um über Erwartungen, Engagement und Verfügbarkeit zu sprechen, bevor wir mit der Arbeit begannen. Mindestens ein bilateralesTreffen wurde abgehalten, um widersprüchliche Perspektiven zwischen den Mitgliedern der Unterstützer*innen-Gruppe zu klären.
In einem nächsten Schritt teilte die betroffene Person ihre Erfahrungen der Vergewaltigungen, ihrer Beziehung mit dem Täter, ihren sozialen und politischen Kontext und ihre Bemühungen, den Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Bald darauf informierten wir zwei Vertrauenspersonen aus Birmingham und diskutierten mit ihnen unser Vorhaben. Von nun an traf sich die Unterstützungsgruppe, einschließlich der betroffenen Person, ein- oder zweimal im Monat, bei Bedarf auch öfter.
In der Regel empfiehlt es sich, die Aufgaben der Unterstützungsgruppe sowie der Gruppe, die Täterarbeit leistet, zu trennen. Da wir uns jedoch in einer anderen Stadt befanden und keiner der Leute den Täter kannte, hatten wir das Gefühl, genügend Abstand zu ihm zu haben, um beide Aufgaben zu übernehmen. Wir wollten desweiteren sicherstellen, dass sich die Aufarbeitung in Birmingham nicht auf den Täter konzentriert. Wir trafen uns so lange, bis Anfang 2016 eine Täter-Kontaktgruppe in Birmingham eingerichtet wurde.